Programm

Kulturelle Vielfalt und Mannigfaltigkeit der menschlichen Welt bilden Tatsachen, die heute niemand mehr in Frage stellt. Diese Tatsachen erzwingen aufs Neue die Fragen nach dem Wesen des Menschen, nach der Gestaltung, den Funktionen und Mechanismen der Wandelbarkeit der Kultur, Fragen nach der Art und den Wandlungen der Werte, die in der menschlichen Geschichte auftauchen. Die meisten dieser Fragen wurden, wenn auch in unterschiedlichen Formen und mit unterschiedlicher Kraft, schon seit Langem gestellt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie für die gegenwärtige Reflexion unwichtig wurden. Von ihrer Aktualität zeugen die heute geführten Diskussionen über den Sinn der Modernität und den geschichtlichen Fortschritt, über die Vielfalt der Kulturen und den Zusammenprall der Zivilisationen, über die Zukunft der westlichen Zivilisation, die Unterscheidung zwischen Hoch- und Massenkultur, die mit der Bioethik zusammenhängenden Schwierigkeiten, und nicht zuletzt über die Grenzen der Freiheit in der virtuellen Wirklichkeit. Die Problematik der Zeitschrift “Kultur und Werte” bilden somit Fragestellungen, die einerseits überzeitlichen Charakter haben und den Aufbau und die Mechanismen des Funktionierens von Kultur als solcher betreffen, andererseits jedoch ihr aktuelles und gegenwärtiges Antlitz zeigen, da sie spezifische Herausforderungen der Gegenwart abbilden. Diese Problematik umfasst folgende detailierte Problembereiche (aus der Perspektive von unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen betrachtet):

  • die kulturelle Spezifik der menschlichen Daseinsweise
  • die Ontologie der Kultur und ihrer Elemente wie Moral, Wissen, Sprache, Kunstwerk
  • die Funktionen der Werte in individuellem Leben und in der Kultur
  • historische und kulturelle Wandelbarkeit und Mannigfaltigkeit der Werte
  • typologische  Verschiedenheit der Werte und ihre Spezifik (moralische, ästhetische, intellektuelle, soziale, hedonistische Werte und andere)
  • die Wandelbarkeit und Vielfalt der Kulturen, ihre Typologie; die Möglichkeit, eine universelle Kultur aufzubauen
  • kulturelle Verschiedenheit und gegenwärtige allgemeine Globalisierungsprozesse
  • der Sinn, die Ursachen und die Art des geschichtlichen Wandels, das Problem des historischen Fortschritts
  • historische und gegenwärtige Diskussionen und Theorien im Bereich der philosophischen Anthropologie
  • das Problem der menschlichen Freiheit
  • historische und gegenwärtige ethische Diskussionen und Theorien
  • historische und gegenwärtige ästhetische Diskussionen und Theorien
  • historische und gegenwärtige Diskussionen und Theorien im Bereich der sozialen und politischen Philosophie
  • Philosophie und andere Disziplinen, die sich mit Kultur, Geschichte und Werten befassen
  • epistemologische und methodologische Probleme der Wissenschaften, die sich mit Kultur, Geschichte und Werten befassen
  • moralische und werttheoretische Aspekte der Herausforderungen der Gegenwart (u. a. Globalisierung, Armutsproblem, Ökologie, Informatikrevolution)
  • moralische und werttheoretische Aspekte der Politik der Europäischen Union (u. a. die Werte, die die europäische Identität stiften, axiologische Einheit und Verschiedenheit, die Pflichten Europas gegenüber anderen Kulturen, das Problem der Immigranten und ihrer kulturellen Assimilierung, christliche und säkulareTradition Europas und ihre gegenwärtige Identität).

Die Liste der Fragestellungen bleibt jedoch damit nicht erschöpft, sondern für neue Probleme offen – ähnliches gilt für die Dynamik der Kultur und die in ihrer Geschichte auftretenden Werte. Die Diskussion über diese Probleme hat nicht nur eine theoretische Bedeutung, indem sie unser Selbstbewusstsein bereichert, aber auch praktische Bedeutung, indem sie die Richtungen aufzeigt, wie die Dilemmas unserer Gegenwart zu lösen sind.  Auch wenn wir diesbezüglich nicht endgültige und voll zufriedenstellende Lösungen erwarten können, so bleibt doch zu hoffen, dass die Positionierung der Forschungen nicht bloß im Bereich der philosophischen Wissenschaften, sondern auch auf dem Gebiet  anderer Disziplinen, zu treffsicheren Ergebnissen führen wird und damit das Phänomen des Menschen, der Kultur und der Werte besser verstehen lässt. Die Philosophie als wissenschaftliche Disziplin kann ihre Forschungen heute nicht führen, ohne die Erkenntnisse der anderen Disziplinen hinsichtlich der Welt – und damit auch des Menschen und der Kultur – zu berücksichti