Nummer 14 /2015

14 /2015

hrsg. von Michał Bohun und Cezar Jędrysko

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Von der Redaktion PDF Datei in Deutsch

Michał Bohun, Cezar Jędrysko, Einfuhrung PDF Datei in Deutsch

T H E M A T I S C H E    A R T I K E L :

Janusz Dobieszewski, Włodzimierz Rydzewski – linkes Denken, das Denken der Linke PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Der Artikel gedenkt Włodzimierz Rydzewski, einer Person, die eine enorme Rolle in der Gestaltung und Entwicklung der polnischen Forschung über den russischen Gedanken, sowie des polnischen Marxismus und der Philosophie an sich (mit besonderer Berücksichtigung der Jagiellonen-Universität). Seine Überzeugungen und Handlungen wurden in einem breiteren Kontext der Situation in Polen in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verortet und mit den Arbeiten von Andrzej Walicki und Marek Siemek zusammengeführt, die auf ähnlichen Gebieten forschten. Es wurde die Thematik und die Methodologie der wissenschaftlichen und publizistischen Tätigkeit von Rydzewski dargestellt. Hervorgehoben wurden dabei auch große und zahlreiche Vorteile seines Charakters und seiner Person.

Schlüsselworte: W. Rydzewski, A. Walicki, M. Siemek, die Linke, Marxismus, Russland, Narodniki-Bewegung, Fortschritt


Marian Broda, „Russische Idee” als Problem – philosophische Perspektive PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Die ganzheitliche Analyse der als Problem betrachteten „russischen Idee“ verlangt, sich den ganzen Komplex seiner Aspekte zu vergegenwärtigen. Indem man das Augenmerk auf seine philosophische Dimension richtet, sollte man nicht vergessen, dass die philosophische Reflexion eine maximale Allgemeinheit mit einer maximalen (Selbst)Kritik programmatisch miteinander zu vereinigen hat.
In der Situation, wo ein integraler Bestandteil des philosophischen Gedankens die Metareflexion bleibt und wo gleichzeitig ein genauso integraler Bestandteil der „russischen Idee“ ihre philosophische Dimension ist, sollte das epistemische und epistemologische Niveau der möglichen (Selbst)Problematisierung unterschieden werden. Das erste Niveau bezieht sich auf den Blickpunkt des in das Projekt der „russischen Idee“ engagierten Subjektes, das bedeutet, dass die vollzogene Problematisierung der Wirklichkeit und der Methoden ihrer Konzeptualisierung nicht grundsätzlich ihren gemeinschaftlichen Sinn, axiologische Gründe und soziale Realität in Frage stellen darf, sondern umgekehrt, sie begründet und legitimiert. Das zweite Niveau bedeutet dagegen einen Versuch, die untersuchten Prozesse von außen zu beobachten, was die Möglichkeit mit sich bringt, den allgemeinen Rahmen der Subjekt-Objekt-Ordnung zu problematisieren, die vom Projekt der „russischen Idee“ a priori bestimmt und in der Welt erkannt wird, indem es schon vorher diese Welt de facto als wahr, wesentlich und wirklich voraussetzte.

Schlüsselworte: russische Idee, russische Seele Russlands, Philosophie, subjektives Projekt, Wirklichkeit, (Selbst)Problematisierung


Leszek Augustyn, Der Großinquisitor und die russische Idee PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Der Artikel ist ein Versuch der philosophischen Interpretation der Figur des Großinquisitors – einer im Roman Die Brüder Karamasow von Fiodor Dostojewski entworfenen Gestalt. Die vorgeschlagene Interpretation greift auf die geschichtsphilosophisch-politischen Meinungen des russischen Schriftstellers zurück, die aus seinen publizistischen Äußerungen stammen. Die durchgeführten Analysen lassen einen inneren Zusammenhang zwischen der literarischen Figur des Großinquisitors mit dem Konzept der „russischen Idee“, in der sich Religion und Politik gemeinsam ergänzen (und eine eigenartige Variante politischer Theologie bilden).

Schlüsselworte: Dostojewski, Großinquisitor, politische Theologie, russische Idee


Wladmir Warawa, Metaphysische Quellen des Radikalismus und Nihilismus in Russland PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Der Text bildet einen Versuch, sich mit einer der ewigen Fragen der russischen Philosophie auseinanderzusetzen: der Frage, wie die russische Idee mit dem Nihilismus verbunden ist und wie der Nihilismus in der russischen Idee zum Vorschein kommt. Der Ausgangspunkt der Überlegungen ist die berühmte Äußerung von Nikolai Bierdiajew über den Nihilismus der Russen, wobei der Nihilismus als moralische Reflexion über die Kultur und als Ablehnung festgeschriebener Kulturnarrationen verstanden wird. Der erste Teil des Artikel ist der Evolution des Nihilismus-Begriffes auf dem Boden des russischen Gedankens von prosvetitel‘stwo Czernyszewskis und Dostojewskis über Vekhi bis zu ausgewählten Vertretern der russischen religiös-philosophischen Renaissance gewidmet. Der zweite Teil bietet den Einblick in die metaphysische Quelle des Nihilismus an – die existentielle Apathie der Existenz.

Schlüsselworte: russische Idee, Nihilismus, Metaphysik, Traurigkeit


Katarzyna Duda, Grundsätze der anarchistischen unabhängigen Ethik im Gedanken von Peter Kropotkin PDF Datei (in Englisch mit Zusammenfassung in Deutsch und Polnisch)

Die Philosophie von Kropotkin bildet eine innovative Entwicklung ethischer Programme des Individualismus, Nihilismus, Sozialdarwinismus und naturalistischen Utilitarismus. Kropotkins Ethik ist von religiösen Voraussetzungen vollkommen frei. Kropotkin schlägt gegenseitige Hilfe und Zusammenarbeit zum Überleben vor, weil es ohne Solidarität des Individuums und der Gattung in der Tierwelt keinen Fortschritt und keine Verbesserungen gegeben hätte. Der Kampf ums Überleben ist laut Kropotkin ein Bedürfnis der Zusammenarbeit innerhalb der Arten, des Bündnisses zwecks Überlebens. In diesem Zusammenhang sollte der Kampf ums Überleben als ein Kampf durch Zusammenarbeit verstanden werden – die Zusammenarbeit wird zur Waffe.

Schlüsselworte: Ethik, gegenseitige Hilfe, Egalitarismus, Utopismus


Michał Bohun, Clausewitz umgekehrt. Bolschewismus, Revolution und Krieg im Gedanken von Nikolai Bierdiajew PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Der Artikel enthält einige Bemerkungen über den Einfluss des Ersten Weltkrieges auf die russische Revolution und das Nachkriegsleben in der Sowjetunion. Meines Erachtens beleuchten die Ideen, die Nikolai Bierdiajew während des Krieges und der Revolution formulierte, den grundsätzlichen Aspekt der Politik und des Soziallebens im 20. Jahrhundert sowohl in Russland als auch in anderen Ländern. Ich meine hier den Krieg als das Wesen moderner Politik. Die Überlegungen Bierdiajews zum Großen Krieg und zur bolschewistischen Revolution sind seiner Zeit voraus und bestätigen die Ansichten solcher Denker wie Jan Patocka, Alain Finkielkraut oder Pierre Hassner. Sie meinten, dass im 20. Jahrhundert die berühmteste Maxime des Generals Clausewitz umgekehrt wurde: Nach dem Ersten Weltkrieg wird die Politik zur Fortsetzung des Krieges mithilfe anderer Mittel.
Bierdiajew denkt über die Revolution als „Zerfall des Krieges“ nach und betrachtet den russischen Kommunismus als „Kriegswirklichkeit“, für die solche Erscheinungen wie Dehumanisierung, Herrschaft der Massen, Totalitarismus, allgemeine Mobilmachung, Militarisierung der Zivilsphäre, Macht der Technik und das Erscheinen eines „neuen Menschen“ charakteristisch sind. Seiner Meinung nach haben der Krieg und der Nachkriegsmilitarismus Ideologie, kulturelle Leitbilder und die Art der Machtausübung in Russland, aber auch im Westen bestimmt.

Schlüsselworte: Erster Weltkrieg, Revolution, Bolschewismus, moderne Politik, Geschichtsphilosophie, russische Philosophie


Andrzej Ostrowski, Das Individuum gegenüber der Gesamtheit – Studium von zwei Beispielen PDF Datei (in Englisch mit Zusammenfassung in Deutsch und Polnisch)

Der Artikel setzt sich zum Ziel, die Beziehung Individuum – Gesamtheit zu besprechen. Den Kontext der Überlegungen bilden zwei Modelle der Organisation des Soziallebens, die von W. Solowjow und L. Szestow vorgeschlagen wurden. Das erste Modell kennzeichnet die Flucht von der Gesellschaft zu sich selbst, das zweite Modell die Flucht von sich selbst zur Gesellschaft. In folgender Betrachtungsweise werden diese Modelle als Folge der Wahrheitserkenntnis verstanden. Die Überlegungen stützen sich auf die interpretatorische Annahme, dass sowohl Szestow als auch Solowjow beim Wissensaneignen zur Erkenntnis derselben Wahrheit kamen – „der Bedeutung dessen, was einzeln und individuell ist“.

Schlüsselworte: Individuum, Gesamtheit, Pflicht, Lüge


Natalia Michna, Die Krise Europas in der Philosophie von Alexander Herzen und José Ortega y Gasset PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Der Artikel stellt das Problem der Krise Europas in der Auffassung zwei Denker dar: des russischen Philosophen aus dem 19. Jahrhundert Alexander Herzen und des spanischen Philosophen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts José Ortega y Gasset. Ihre Philosophie ist zweifelsohne auf dem Boden anderer historischer und kultureller Bedingungen entstanden, in anderen Zeiten und an anderen Orten. Paradoxerweise zeigten jedoch beide Denker überraschend ähnliche Anschauungen über die Natur und die Gründe der Krise, die die europäische Kultur zehrte. Indem Herzen die Umwälzungen im Europa des 19. Jahrhunderts beobachtete, nahm er einige Ideen in Bezug auf die Krise Europas vorweg, die später im Denken von Ortega y Gasset zum Ausdruck kamen. Im Denken über die Krise bei Herzen und Ortega lassen sich zwei wesentliche Übereinstimmungen bemerken: erstens der von beiden Denkern präsentierte Katastrophismus, zweitens die philosophische Auffassung der Masse und der sozialen Elite.

Schlüsselworte: Krise, Katastrophismus, Menschenmasse, soziale Elite, Alexander Herzen, José Ortega y Gasset


Marek Kita, Der „russisch-orthodoxe Modernismus“ und ökumenische Orthodoxie. Theologisch-fundamentale Überlegungen PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Die religiöse Philosophie und philosophierende Theologie der religiösen Denker an der Wende des 19. Jahrhunderts zählte offensichtlich zur Strömung des religiösen Modernismus. Der Artikel stellt die „modernistische orthodoxe Kirche“ der russischen philosophisch-religiösen Renaissance mit unterschiedlichen Erscheinungsformen des katholischen Modernismus zusammen und schreibt die Reflexion über das Erbe der „russischen Schule“ in der russisch-orthodoxen Theologie in den Kontext der theologisch-fundamentalen Diskussion mit dem Integralismus über die berechtigte Entwicklung der Kirchentradition ein. Aufgegriffen wird ebenfalls das Problem des richtigen Verständnisses des doktrinären Ökumenismus.

Schlüsselworte: Ökumenismus, Integralismus, Katholizismus, Modernismus, Orthodoxie, russisch-orthodoxes Glaubensbekenntnis, russische religiös-philosophische Renaissance, „russische Schule“, fundamentale Theologie, Kirchentradition


Halina Rarot, Der religiöse Modernismus und Neomodernismus in Russland PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Der religiöse Modernismus in Russland bildet eine intellektuelle Strömung an der Wende des 19. Jahrhunderts. Sein Hauptgedanke war das Streben nach der Erneuerung Russlands in Anlehnung an reformiertes russisch-orthodoxes Glaubensbekenntnis, das dem kapitalistischen sozialwirtschaftlichen System in Russland entsprechen sollte sowie die Verkündung einer neuen christlichen Zivilisation unter Berücksichtigung ökonomischer Verhältnisse. Der religiöse Neomodernismus ist dagegen eine intellektuelle Strömung an der Wende des 20. Jahrhunderts, die im gegenwärtigen Russland ziemlich populär ist. Er ist jedoch nicht gleichbedeutend mit der Rückkehr der russisch-orthodoxen Kirche zum öffentlichen Leben oder mit ihrer nächsten reformierten Variante. Er bezieht sich trotzdem auf einige Ideen des orthodoxen Modernismus.

Schlüsselworte: religiöser Modernismus, orthodoxer Modernismus, religiöser Neomodernismus, russisch-orthodoxe Kirche an der Wende des 19. Jahrhunderts, gegenwärtige russisch-orthodoxe Kirche gegenüber dem Modernismus und Neomodernismus

R E Z E N S I O N E N:

Cezar Jędrysko, Fiodorow zum ersten Mal PDF Datei (in Polnisch)


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