Nummer 4(12) /2014

IM KREIS DER DEUTSCHEN PHILOSOPHIE

hrsg. von Leszek Kopciuch, Tomasz Siwiec

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Von der Redaktion PDF-Datei in Deutsch

Leszek Kopciuch, Tomasz Siwiec, Einführung PDF-Datei in Deutsch

A R T I K E L :

Hans Lenk, Lebensformen in Schemaspielen – und umgekehrt PDF Datei (in Deutsch mit Zusammenfassung in Englisch und Polnisch)

Der methodologische Schemainterpretationskonzept des Verf. wird skizziert und mit Wittgensteins Philosophie der Sprachspiele und Lebensformen in Verbindung gebracht: Schemaspiele erweitern und fundieren das Sprachspielkonzept und können auch die Deutungen mittels Lebensformen und Lebenswelten tiefer begründen bzw. perspektivisch fruchtbar beleuchten.

Schlüsselworte: Wittgenstein, Sprachspiele, Lebensformen, Lebenswelt, Schemaspiele


Gérard Raulet, Lebenswelt als politisch relevanter Begriff PDF Datei (in Deutsch mit Zusammenfassung in Englisch und Polnisch)

Das semantische Feld des Lebensweltbegriffs dehnt sich auf Ontologie („In-der-Welt-Sein“), Anthropologie, Biologie, Naturwissenschaften überhaupt, sowie auf Soziologie aus. Mittlerweile ist aber auch ein inflationärer journalistischer Gebrauch festzustellen, der gleichsam den umgangssprachlichen, „lebensweltlichen“ Charakter des Lebensweltbegriffes bestätigt. Dies macht zugleich seine Stärke und seine Schwäche aus. Dem originären Husserl’schen Lebensweltbegriff selbst hat man deshalb seine Verschwommenheit oder gar Widersprüchlichkeit vorgeworfen, bezeichnet er doch einen Horizont von Horizonten – und zudem einen jeweils persönlichen, den meinigen, der mich in meinem Hier-Sein mit den Horizonten anderer Menschen verbindet. Von der Beobachtung ausgehend, dass der Husserl’sche Begriff von Geburt an sowohl wissenschafts- als auch kulturkritisch beladen ist und dass der Schein unmittelbarer Selbstverständlichkeit, mit der auf die Lebenswelt verwiesen wird, sich rasch als Reaktion auf eine Krisensituation – nämlich auf einen Verlust der Übersichtlichkeit – entpuppt, wird im folgenden Aufsatz versucht, das Verhältnis des Lebensweltbegriffs zur Politik und seine analytische Brauchbarkeit zu hinterfragen.

Schlüsselworte: Lebenswelt, Politik, Husserl, Habermas, Luhmann


Friedo Ricken SJ, Die Hoffnung und das gute Leben. Überlegungen im Anschluss an Platon und Thomas von Aquin PDF Datei (in Deutsch mit Zusammenfassung in Englisch und Polnisch)

Die Hoffnung ist notwendige Bedingung des guten Lebens, und das gute Leben ist Grund zur Hoffnung. Thomas von Aquin unterscheidet zwischen dem Affekt und der Tugend der Hoffnung. Der Affekt der Hoffnung ist ein sinnliches Streben, dessen Objekt durch vier Merkmale bestimmt ist. (a) Es ist ein Gut; dadurch unterscheidet die Hoffnung sich von der Furcht, die sich auf ein Übel bezieht. (b) Es ist ein zukünftiges Gut; dadurch unterscheidet die Hoffnung sich von der Freude, die sich auf ein gegenwärtiges Gut bezieht. (c) Es ist ein schwer zu erlangendes Gut; dadurch unterscheidet die Hoffnung sich von der Begierde. (d) Es ist trotz der Schwierigkeit möglich, dieses Gut zu erlangen; dadurch unterscheidet die Hoffnung sich von der Verzweiflung. Die Tugend der Hoffnung ist eine Haltung des Willens, d.h. des geistigen Strebens. Objekt der Hoffnung ist ein zukünftiges Gut, das zu erlangen zwar schwierig, aber doch möglich ist. Möglich ist für uns etwas entweder durch uns selbst oder durch andere. Insofern wir hoffen, dass uns etwas durch göttliche Hilfe möglich ist, rührt die Hoffnung an Gott.

Schlüsselworte: Hoffnung, Platon, Thomas von Aquin, Gut, Tugend der Hoffnung, Affekt der Hoffnung


Oliver Hallich, A Plea Against Apologies PDF Datei (in Englisch mit Zusammenfassung in Deutsch und Polnisch)

Wer „sich bei jemandem entschuldigt“, der bittet ihn um Verzeihung. Dieser Bitte kann durch Gewährung der Verzeihung entsprochen werden, und sie kann durch Nichtgewährung der Verzeihung abgelehnt werden. In diesem Beitrag wird nach dem normativen Status des Bittens umVerzeihung gefragt: Was, wenn überhaupt etwas, gibt uns das Recht, das Opfer eines von uns begangenen Unrechts um Verzeihung zu bitten? Nach einigen begrifflichen Klärungen wird ein Paradox offengelegt, das dem Bitten um Verzeihung inhärent ist. Wer um Verzeihung bittet, tut dies in einem Geist der Demut: Wenn der Täter seine Schuld anerkennt, wird er die gegen ihn gerichteten negativen Gefühle des Opfers als angemessen und gerechtfertigt ansehen. Indem er aber um Verzeihung bittet, versucht er, diese gegen ihn gerichteten negativen Gefühle zu ändern. Indem also der Täter um Verzeihung bittet, versucht er, einen Zustand herbeizuführen, den herbeiführen zu wollen er keinen Grund hat, wenn er aufrichtig reuig ist. Im Folgenden werden verschiedene Versuche, dieses Paradox aufzulösen, untersucht. Sie beruhen auf der Angabe von Gründen für das Bitten um Verzeihung, die unabhängig von dem Versuch sind, die negativen Gefühle des Opfers zu ändern. Vier in der einschlägigen Literatur unterbreitete Vorschläge werden diskutiert, nämlich 1) dass der Täter dem Opfer, indem er um Verzeihung bittet, seine Reue signalisieren will, 2) dass der Täter seine Selbstachtung wiedererlangen möchte, 3) dass der Täter seinen moralischen Status wiedererlangen möchte, 4) dass er eine Trennung zwischen sich als Person und der von ihm begangenen Tat deutlich machen möchte. Keiner dieser Vorschläge ist jedoch überzeugend, und die Versuche, das Paradox des Bittens um Verzeihung aufzulösen, scheitern. Ein Täter, der seine eigene Schuld anerkennt und sich aufrichtig dem Urteil des Opfers unterwirft, hat häufig keinen rationalen Grund, um Verzeihung zu bitten. In vielen Fällen ist der Verzicht auf das Bitten um Verzeihung ein Zeichen dafür, dass man Schuld ernst nimmt.

Schlüsselworte: Entschuldigung, Verzeihung, Entschuldigen, Reue


Katie Terezakis, To Philosophize is to Revise, Or, How German Idealism Became Historical in the Work of One Secluded American Thinker PDF Datei (in Englisch mit Zusammenfassung in Deutsch und Polnisch)

John William Miller, ein verhältnismäßig wenig bekannter amerikanischer Philosoph des 20. Jahrhunderts, benutzt in seinen Schriften den kantischen Idealismus, indem er ihn in eine historische und linguistisch orientierte Philosophie des symbolischen Handelns umwandelt. Ich stelle die These auf, dass das System Millers als eine Idee gelesen werden kann, die sowohl im detranszendentalisierenden Projekt der philosophischen Moderne angesiedelt ist, als auch in der Begeisterung für den deutschen Idealismus, das für die frühe amerikanische Philosophie charakteristisch war. Ich verbinde die Methodologie von Miller mit der metakritischen Beurteilung der Philosophie Kants, die bis zu seiner ersten Kritik zurückgreift. In Millers Ansatz finde ich auch die Sorge um das menschliche Handeln und seine Wirkungsmacht, die für die pragmatische Tradition typisch sind. Ich begründe die These, dass Miller das Projekt Kants, insbesondere den Begriff der regulativen Ideen, mit Hilfe „der mittelbaren Welt der Handlungsobjekte“ revidiert. Ich glaube, dass anhand der mittelbaren Welt Millers vorgeführt wird, dass kognitive Kategorien, samt kantischen Intuitionsformen, in einem historischen und sprachlichen Zusammenhang verortet sind. Miller bezeugt auf diese Weise, wie eine wirklich kritische Philosophie aussehen soll. Dabei vermeidet er die in der gegenwärtigen Philosophie zurückkehrenden Fragen des Fallibilismus und der Endlichkeit. Miller meint, dass die Philosophie eine vollkommen historische und fortwährende Tätigkeit des Revidierens sei. Er weist auch darauf hin, dass man zu der Philosophie zurückkehren solle, um Probleme zu überwinden, die andere Handlungen des Menschen bestimmen. Millers System veranschaulicht sowohl die Historizität der kritischen Philosophie als auch praktische Anwendungen einer wirksamen philosophischen Methodologie bei der Lösung gegenwärtiger Fragestellungen.

Schlüsselworte: John William Miller, Immanuel Kant, Jürgen Habermas, Johann Georg Hamann, Idealismus, Aktualismus, Pragmatismus, Metakritik, mittelbare Welt der Handlungsobjekte

R E Z E N S I O N E N:

Leszek Kopciuch, O wielości globalizacji. Rezension: Adam Nobis, Globalne procesy, globalne historie, globalny pieniądz, Wyd. UWr, Wrocław 2014 PDF Datei (in Polnisch)

Cezar Jędrysko, O idei rosyjskiej raz jeszcze – aktualnie i dobrze. Rezension: Paweł Rojek, Przekleństwo imperium. Źródło rosyjskiego zachowania, Wydawnictwo M, Kraków 2014 (120 s.) PDF Datei (in Polnisch)

B E R I C H T E U N D M E L D U N G E N:

Tomasz Siwiec, Moralność – między teorią a światem przeżywanym, Toruń, 25 września 2014 PDF Datei (in Polnisch)

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