Nummer 13 /2015

ANGESICHTS DER KRISE

hrsg. von Leszek Kopciuch

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Von der Redaktion PDF Datei in Deutsch

Leszek Kopciuch, Angesichts der Krise. Einleitende Bemerkungen PDF Datei in Deutsch

T H E M A T I S C H E   A R T I K E L :

Leszek Gawor, Der Versuch einer Typologie des katastrophistischen Gedankens PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Am Anfang werden der Begriff des Katastrophismus in der reinen Form des geschichtsphilosophischen finistischen Pessimismus wie auch seine Beziehung zur Idee der Krise besprochen. Weiter werden Unterscheidungen im Bereich des Katastrophismus hinsichtlich des Umfangs der Katastrophe (totale oder partikulare Dimension) und des Charakters ihres Verlaufs (unabwendbar und irreversibel oder allein hypothetisch, alternativ) eingeführt. Die Zusammenführung der zwei Auffassungen des Katastrophismus ergibt vier Varianten des katastrophischen Gedankens: 1. den konsequenten Totalkatastrophismus, den konsequenten Partikularkatastrophismus, den alternativen Totalkatastrophismus und den alternativen Partikularkatastrophismus. Diese Modelle werden dazu verwendet, eine allgemeine Bezeichnung des “Katastrophismus” zu formulieren.

Schlüsselworte: Zivilisation, Geschichtsphilosophie, Katastrophismus, Krise, Kultur, Destruktion, Typologie des katastrophistischen Gedankens


Witold P. Glinkowski, Die Krise der Menschlichkeit – Bedrohung oder Chance? PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Das Ziel des Artikels ist es, die keinesfalls neue, doch sichtbare Tendenz im gegen-wärtigen Nachdenken über den Menschen zu hinterfragen, die das Problem der Krise der Menschlichkeit in den Kategorien der Funktion der Zivilisationskrise behandelt. Die in der technisch-zivilisatorischen Sphäre erkannte Krise und jene, die den diese Sphäre benutzenden Menschen bedroht, bilden keine homogenen, vielmehr disjunktiven Phänomene. Die Diagnosen der beiden Krisen, die ihre Gründe, Folgen und Vorsorgemaßnahmen betreffen, wurden von unterschiedlichen philosophischen Standpunkten aus gestellt (u. a. die Frankfurter Schule, E. Husserl). Es erweist sich jedoch, dass eine vollständige Erfassung des Problems erst unter der Bedingung möglich ist, es im ethischen Bereich des Treffens zu verorten – davon schreiben die Philosophen des Dialogs (M. Buber, A. J. Heschel, E. Lévinas). Sofern die Zivilisationskrisen dazu herausfordern, sie zu überwinden, so ist die Krise der Mensch-lichkeit ein wertvoller und stets aktueller Hinweis auf die Irreduzibilität des Menschen auf den zivilisatorischen Rahmen seines Lebens.

Schlüsselworte: Krise, die Philosophie des Dialogs, Person, Zivilisation, Husserl


Jacek Breczko, Das Schwinden der metaphysischen Gefühle als Ursache der Kulturkrise PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Ich stehe auf dem Standpunkt, dass den zweifellosen Fortschritt in der Technik heutzutage im Westen die Kulturkrise begleitet. Es lässt sich über ihre Kraft streiten: Man kann nämlich den Standpunkt verteidigen, dass was sich entwickelt, das zerfällt auch zum Teil, folglich ist die Krise permanent und sie ist eine Funktion des Fortschritts, aber man kann auch nicht die Richtigkeit der katastrophischen Diagnose ablehnen. Diese Krise hat unzweifelhaft unterschiedliche Anzeichen und unterschiedliche Quellen. Im Artikel konzentriere ich mich auf die von S. I. Witkiewicz aufgezeigte Quelle: auf das Schwinden des Metaphysischen Gefühls der Seltsamkeit des Daseins und auf seine Folgen. Die Diagnose von Witkacy, die mir in allgemeinen Umrissen richtig scheint – versuche ich auf gegenwärtige Zeiten anzuwenden. Ich vertrete die Meinung, dass das Schwinden der metaphysischen Gefühle heute nicht nur durch einen immer bequemeren und immer dichteren “Zivilisationskokon”, aber auch durch das “Vergessen des Todes” (der Tod wird in der Kultur zum Tabu) und durch das Vorherrschen des methodologischen Naturalismus in der Wissenschaft stimuliert wird. Der letzte Faktor führt dazu, dass die Welt nicht mehr “seltsam”, “geheimnisvoll” erscheint. All das beeinträchtigt höhere Stufen der Kultur, macht sie “steril”, beeinflusst also negativ das Wirken der künstlerischen, philosophischen und religiösen Eliten.

Schlüsselworte: Kultur, Krise, Katastrophismus, S. I. Witkiewicz


Alicja Wesołowska, Husserls Auffassung der Krise und die transzendentale Philosophie PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Die Phänomenologie als Lehre über die transzendentale Subjektivität wurde im Zusammenhang mit der kritischen Reflexion über die Idee der Erkenntnis begründet. In diesem Artikel werden die Überlegungen zum Sujet der Krise als Endeffekt der Untersuchungen dargestellt, die dem theoretischen und praktisch-ethischen Motiv des Gedankens von Husserl gelten. Von diesem Standpunkt aus kann die Phänomenologie als eineWissenschaft verstanden werden, die die Einheit der Erkenntnis ermöglicht und lebenswichtige Befunde offenbart. Im Artikel wird gezeigt, dass die Idee der Phänomenologie im Zusammenhang mit den Betrachtungen evoluiert, die den Horizont der klassischen philosophischen Probleme umfassen: der epistemologischen, metaphysischen und ethischen.

Schlüsselworte: Phänomenologie, die Krise der Wissenschaften, transzendentale Reduktion, Erkenntnis


Zbigniew Pietrzak, Der Mensch und die Umwelt oder steckt in der Idee der Krise immer ein Kern der Destruktion? Anlässlich des 90. Geburtstags von Jean Dorst (1924-2001) PDF Date (in Polnisch mit Zisammenfassung in Englisch und Deutsch)

Der Hauptgedanke von Jean Dorst äußert sich in der Überzeugung, dass das Wirken aller Zivilisationen im Laufe ihres technischen Fortschritts und demographischen Entwicklung früher oder später zu einer übermäßigen Ausbeutung der umgebenden Natur führt. Folgerichtig bringt das die Verarmung ihrer Ressourcen und den Untergang der Staatsorganismen mit sich. Jean Dorst postuliert die Notwendigkeit des Gleichgewichts zwischen den Bedürfnissen der Menschen und den Möglichkeiten der Umwelt, wobei er auf die Rolle der Wissenschaft, der Politik und sogar der Philosophie bei Lösung der Probleme hinweist. 15 Jahre nach dem Tod des Gelehrten kann man seine Prognosen mit der tatsächlichen Entwicklung der Zivilisation und ihrem Einfluss auf die Umwelt konfrontieren. Und die Frage stellen: muss den Fortschritt immer die Zerstörung begleiten?

Schlüsselworte: Zivilisation/Kultur, Fortschritt, ökologische Bedrohungen, globale Zivilisation


Kamil Szymański, Transhumanismus PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Im Artikel stelle ich allgemeine Thesen der transhumanistischen Philosophie dar, die gegen das Ende des 20. Jahrhunderts dank Max More entstanden ist. Die Strömung ist in Polen nur in einem geringen Maße bekannt. Sie postuliert die Anwendung der fortgeschrittenen Biotechnologie in weiterer Evolution der menschlichen Gattung. Das Resultat dieses Prozesses wird die Erscheinung des Postmenschen und der posthumanistischen Welt sein. Im Beitrag schildere ich den Postmenschen nach dem Entwurf der Transhumanisten und die Veränderungen, die zu seinem Erscheinen nötig sind. Ich weise auch skizzenhaft auf den utopischen Charakter dieses Entwurfs hin.

Schlüsselworte: Transhumanismus, Postmensch, Evolution, Biotechnologie, Philosophie

S O N S T I G E    A R T I K E L :

Andrzej J. Noras, Die Anfänge der Philosophie bei Cohen und das Problem der Psychologie PDF Datei (in Polnisch mit Zusammenfassung in Englisch und Deutsch)

Hermann Cohen, Begründer der neukantianischen Marburger Schule, gilt als einer der radikalsten Vertreter des Antipsichologismus. Es stellt sich jedoch heraus, dass die Position ein Ergebnis eines Prozesses ist, in dem sich drei Elemente entüllen, und nämlich der Streit über die Psychologie, der über Plato und der über Kant. Im ersten Fall erscheint Cohen mit den psychologisch orientierten Sprachwissenschaftler, Heymann Steinthal und Moritz Lazarus, in Verbindung zu bleiben. In zweitem Fall ist Cohen ein Interpret von Plato, wobei anfänglich er seine Philosophie im Geiste des Psychologismus erfasst, um sich später von diesem Standpunkt zu distanzieren. Und daraus geht das spätere Bild der Kants Philosophie hervor.

Schlüsselworte: Cohen, Steinthal, Lazarus, Platon, Kant


Honorata Jakuszko, Sinngehalte der Aufklärungsidee in der Philosophie von Novalis PDF Datei (in Deutsch mit Zusammenfassung in Englisch und Polnisch)

Der Artikel bildet eine auf Quellentexten fundierte Rekonstruktion der Weise, auf welche Novalis als Vertreter der deutschen Frühromantik den Begriff der Aufklärung versteht. Seiner Meinung nach sei die Aufklärung mit dem historischen Prozess oder mit der Bildungsgeschichte identisch, deren Ziel die allseitige Entwicklung aller Neigungen der Menschlichkeit sei. Enger gefasst kann die Aufklärung auf das 18. Jahrhundert bezogen werden, das als Epoche der Aufklärung bezeichnet wurde. Novalis macht auf die historischen Prämissen aufmerksam, die den Unterschied zwischen der französischen und der deutschen Aufklärung bedingen (u. a. die Reformation in Deutschland und die Französische Revolution). Als Anfang der neuen und höheren Etappe der Aufklärung in Deutschland betrachtet er die transzendentale Philosophie von I. Kant und J. G. Fichte, die Weimarer Klassik von J. W. Goethe und F. Schiller und die historische Philosophie von F. Schlegel – dem Vertreter der deutschen Frühromantik.

Schlüsselworte: Aufklärungsprogramm, Variante der Aufklärung, deutsche Frühromantik, Novalis, Bildungsgeschichte

R E Z E N S I O N E N:

Kamil Szymański, „Kwintesencja” transhumanizmu. Rezension: The Transhumanist Reader: Classical and Contemporary Essays on the Science, Technology, and Philosophy of the Human Future, hrsg. von M. More, N. Vita-More, Wiley–Blackwell, Chichester UK 2013 (460 S.) PDF Datei (in Polnisch)

B E R I C H T E   U N D    M E L D U N G E N:

Kamil Szymański, Praktyczne aplikacje filozofii: antropologia filozoficzna, aksjologia, etyka, Lublin, 26.-27. Mai 2015 PDF Datei (in Polnisch)

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